Die Inflation – Brauchen wir sie wirklich so dringend?

Hallo liebe Geldhamster-Gemeinde !

Heute möchte ich ein wenig die Inflation und ihre Ursache und Wirkung beleuchten, da ja die derzeitige Niedrigzinsphase im Euro durch die Europäische Zentralbank (EZB) hauptsächlich dadurch bedingt ist, dass wir lt. EZB „zu wenig“ Inflation im Euro-Raum haben.

Wozu brauchen wir aber Inflation und wie entsteht sie?
Inflation entsteht vereinfacht gesagt durch die Teuerung der Waren und Dienstleistungen in einem Land. In Österreich wird hierfür hauptsächlich der Verbraucherpreisindex (kurz VPI) herangezogen. Nach diesem Index richtet sich auch die Wertsicherung von Mieten usw., also ein Vermieter lässt diesen in den Mietvertrag aufnehmen und die Mieten erhöhen sich automatisch um die Steigerung im VPI. Das ist auch der Grund warum man bei Immobilieninvestments oft von Inflations-Sicherung spricht, denn wenn der VPI steigt, steigen die Mieten mit und der Vermieter erhält somit immer den Wert seines Geldes. Der VPI ist ein virtueller Warenkorb, der unterschiedliche Dinge des täglichen Lebens enthält, das sind zB Lebensmittel, Kleidung, Mieten, Treibstoff, Reperaturkosten aber auch nicht so alltägliche Ausgaben wie Elektrogeräte, Reisen usw.
Den aktuellen Warenkorb für Österreich könnt ihr euch zB HIER anschauen.
Es wird oft kritisiert, dass die „gefühlte“ Inflation um einiges höher ist, als die offiziellen Werte. Das ist aber auch ganz klar, denn Brot, Milch, Mieten, Sprit usw. bestimmen die Ausgaben des täglichen Lebens und werden immer teurer, man kauft sich jedoch nicht jedes Monat einen Flachbildfernseher oder eine Pauschalreise, die tendenziell oft sogar günstiger werden und somit die „richtige“ Inflationsrate abschwächen. Da die „gefühlte“ Inflationsrate nicht bei jedem gleich ist (denn nicht jeder hat ein Auto, wohnt in Miete oder isst oft in Restaurants usw.) , lässt sich diese nicht genau feststellen. Man kann aber wohl im Durchschnitt davon ausgehen, dass diese um ein Drittel bis zu einer Hälfte über der offiziellen Inflationsrate liegt. Die aktuelle Inflationsrate per November in Österreich betrug 1,5% zum Vorjahresvergleich, somit wird die gefühlte Inflation bei gut 2% liegen.

Eine „gemäßigte“ Inflation ist in unserem Geldsystem deshalb wichtig, weil man so die Wirtschaft am Laufen hält. Denn man investiert dann lieber jetzt in eine Sache, weil man weiß, dass es durch die Inflation nächstes oder übernächstes Jahr teurer wird.
Ist das Gegenteil der Fall, also eine Deflation am Laufen, dann wartet man lieber, denn es könnte ja vielleicht nächstes Jahr sogar billiger werden und somit schiebt man die Investition auf um sich eventuell was zu ersparen und kann das Geld inzwischen sogar verzinst am Sparbuch liegen lassen. Das klingt für den Konsumenten auf den ersten Blick sehr verlockend, jedoch ist es für die Wirtschaft ganz schlecht. Wenn das nämlich viele machen (und auch Firmen und der Staat bei Investitionen sparen), dann bricht die Wirtschaft irgendwann zusammen, weil einfach zu wenig Nachfrage auf die angebotene Ware trifft. Die Firma muss dann ihre Waren billiger anbieten, im Gegenzug wird die Produktion gedrosselt, Arbeiter entlassen, diese können sich dann nichts mehr leisten und es entsteht ein Teufelskreis aus hoher Arbeitslosigkeit und daraus resultierendem immer niedrigerem Konsum.
Eine zu hohe Inflation ist aber genauso schlecht, da die Menschen dann leicht das Vertrauen in ihre Währung verlieren können, wenn man für das tägliche Brot zB jedes Jahr 10 oder 20% mehr zahlen müsste und das Gehalt aber nicht im gleichen Ausmaß mit steigt sowie das hart Ersparte dadurch jährlich weniger wert wird. Es sinkt dann also die Kaufkraft der Menschen und auch Investitionen sind somit nicht mehr plan- und noch weniger leistbar.

Was hat das aber jetzt mit den Zinsen zu tun?
Die EZB ist dafür zuständig, dass unsere Währung, der Euro, stabil bleibt. Das ist ihrer Ansicht nach bei einer Inflationsrate von ca. 2% der Fall. Um dieses Ziel zu erreichen, muss sie bei einer zu hohen Inflation die Zinsen erhöhen, damit die Kreditvergabe eingebremst wird und die Wirtschaft nicht „überhitzt“, bei einer zu niedrigen Inflation, wie wir sie derzeit im Euro-Raum erleben, muss sie die Zinsen senken um die Kreditvergabe und somit die Wirtschaft anzukurbeln. Was wir momentan erleben, mit Negativzinsen auf Einlagen sowie auf Kredite, ist quasi ein letzter Verzweiflungsakt der EZB, da die Wirtschaft trotz kontinuierlich sinkender Zinsen seit der Finanzkrise 2008 nicht nachhaltig in Schwung gekommen ist. Wie dieses einmalige Projekt endet, werden wir erst sehen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Inflation in unserem Geldsystem zu einem gewissen Grad wirklich notwendig ist, da dieses auf kontinuierliches Wachstum ausgelegt ist und dieses nur dadurch entstehen kann, wenn die Wirtschaft läuft. Dass aber Wachstum nicht unendlich fortgeführt werden kann, zeigt sich vor allem in den letzten Jahren in den westlichen Ländern, wo die Schulden immer höher gestiegen sind, jedoch das Wirtschaftswachstum trotzdem immer weiter sinkt.
Es muss also irgendetwas an diesem System geändert werden, oder es kommt wie so oft in der Geschichte zu Schuldenschnitten oder, was wir uns am wenigsten wünschen, zu großen Kriegen. Das hat es leider schon oft gegeben, denn nach einem Krieg muss man erst wieder alles aufbauen, was natürlich abstrakterweise die Wirtschaft wieder belebt…
Besser wäre auf alle Fälle, wenn man sich überlegt, wie man auch mit geringem Wachstum und weniger „Gewinn“ leben kann, doch dafür ist wohl die Gier des Menschen zu groß…

So, fast ein Jahr ist nun vergangen seit der Geldhamster online ist, ich hoffe, ich konnte ein wenig an finanzieller Bildung vermitteln und manche komplizierten Dinge der Wirtschaftswelt etwas einfacher erklären. Ich werde natürlich auch in Zukunft dafür sorgen, dass Herr und Frau Österreicher sich etwas mehr mit ihrem Geld auseinandersetzen, es wäre doch schade, wenn wir weiterhin Schlusslicht in Sachen Vermögensrendite bleiben. Im Prinzip sind es nur ein paar grundlegende Dinge, die man verstehen muss, um seine persönliche Finanzsituation erheblich zu verbessern. Nachdem in der Schule diesbezüglich viel zu wenig vermittelt wird, werde ich eben einen Teil dieser Rolle übernehmen. Bitte jedoch auch bei mir in manchen Bereichen Rücksicht zu nehmen oder mich zu korrigieren, denn auch ich bin nicht „allwissend“ und lerne selbst immer noch laufend dazu. Denn man lernt ja bekanntlich nie aus, oder um es in den Worten von Henry Ford zu sagen:

„Wer aufhört zu lernen, ist alt. Er mag zwanzig, oder achtzig sein.“

Ich wünsche allen meinen Lesern ein gesegnetes Weihnachtsfest, sowie dass ihr 2017 all eure geplanten Ziele erreicht. Sei es finanzieller Natur oder auch  irgendwelche anderen Bereiche, in denen ihr euch verbessern wollt. Besinnt Euch in diesen Tagen aber auch auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben, denn wie sagt man so schön:

„Es wird des Geld sein und wir wern nimma sein…“

In diesem Sinne, falls euch mein Blog gefällt, empfehlt ihn gerne in eurem Bekanntenkreis weiter, ihr könnt ihn gerne kostenlos abonnieren (rechts oben) und werdet dann bei jedem neuen Beitrag verständigt.
Bleibt also dran am Weg zu mehr Vermögen und weniger Schulden!

 

1 Comment

  • Man sollte langsam dieses kranke Zinsgeldsystem abschaffen! Dann bräuchte man weder Inflation noch Zins! Der Wert würde sich wieder mehr an die Wahre orientieren und diese kranke Geldpump Politik der Fed und EZB wäre obzolet.

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