Renditeerwartungen und „Die Tücken der Prozentrechnung“

Hallo liebe Geldhamster-Gemeinde !Hamster

Heute möchte ich auf die Tücken der Prozentrechnung eingehen, auf die viele oft hineinfallen, da hier oft nicht richtig „mitgedacht“ wird. Allzu oft wird von unseriösen Webseiten Kunden mit extrem hohen Renditen oder „Geheimtipps“ für irgendwelche Kleinstaktien geworben. Diese kleinen Gesellschaften sind meist entweder richtige Zocker-Aktien, die mal rauf und mal runter gehen, oder Aktien, die durch Spekulation in extreme Höhen getrieben wurden und dann sehr tief gefallen sind. Klar sind da oft 3-stellige prozentuelle Kursgewinne drinnen, doch es hat auch immer einen Grund warum diese Papiere so abgestürzt sind.

Daher ist es für langfristigen Vermögensaufbau absolut wichtig auf den Gesamtmarkt zB in Form von ETFs zu setzen und natürlich auch auf „langweilige“ Blue-Chips (Qualitätsaktien von großen Unternehmen). Diese haben meist keine spektakulären Kurssprünge zu bieten, sondern liefern eine langsame, aber stetige Performance (oft mit guter Verzinsung in Form von Dividenden) aber sind auch im Bärenmarkt nicht so anfällig für herbe Kursverluste.

Ich möchte dies an einem kleinen Beispiel vorrechnen:

Nehmen wir an wir haben die Auswahl zwischen einer Aktie A, die über die letzten 5 Jahre im Durchschnitt 5% pro Jahr gemacht hat mit geringer Schwankungsbreite und einer Aktie B, die vor 2 Jahren ihren Allzeit-Höchstkurs von 150 EUR erreicht hat, zwischenzeitlich jedoch innerhalb eines Jahres um 60% eingebrochen ist und jetzt durch die Medien gehypt wird, da sie seit ihrem Tief im Vorjahr schon über 80% gewonnen hat!

Für welche der beiden Aktien würdest du dich entscheiden?

Nehmen wir der Einfachkeit halber an, die Aktie A ist vor 5 Jahren bei 100 EUR gestanden. Wenn du die Aktie damals zu dem Kurs gekauft hast, und die Performance pro Jahr ca. 5% ausmachte, wo steht sie also heute?
Bei 125 EUR? Weil 5 x 5% = 25% ?

Nein! Durch den Zinseszinseffekt ist die Aktie in den letzten Jahren wie folgt gestiegen:

  1. Jahr: 100 EUR + 5% = 105 EUR
  2. Jahr: 105 + 5% = 110,25 EUR
  3. Jahr: 110,25 + 5% = 115,76 EUR
  4. Jahr: 115,76 + 5% = 121,55 EUR
  5. Jahr: 121,55 + 5% = 127,63 EUR

Du hast also in den 5 Jahren nicht 25% sondern 27,63% gemacht, da dein Gewinn ja immer wieder mitverzinst wurde.

Wie sieht es aber mit Aktie B aus, die ja seit dem Tief im Vorjahr schon 80% zugelegt hat? Nehmen wir hier an, wir haben die Aktie ebenfalls vor 5 Jahren zu einem Kurs von 100 EUR gekauft. Hier hatten wir zwischenzeitlich beim Allzeithoch sogar einen Gewinn von 50%! Dann brach der Kurs jedoch innerhalb eines Jahres um 60% vom Allzeithoch ein. Wir haben also von 100 EUR 50% gewonnen = 150 EUR und davon dann 60% verloren, wodurch der Kurs auf nur mehr 60 EUR fiel! Aber ist ja alles kein Problem, seither ist der Kurs ja wieder um 80% gestiegen. Wo stehen wir nun also?
Richtig, bei 108 EUR, also gerade einmal bei einer Gesamtrendite von 8% seit unserem Kauf vor 5 Jahren, was einer jährlichen Rendite von nur 1,55% entspricht.

Wie du siehst, hören sich prozentuelle Zahlen oft spektakulär an, sie sind aber im mathematischen wie auch im sprichwörtlichen Sinne nur „relativ“ 🙂

Hier noch ein zweites Beispiel diesbezüglich in Form von Faktorzertifikaten, welche in den letzten Jahren auch immer als neue, tolle Instrumente zum Traden hochgepriesen werden. Eine kurze Erklärung dazu: Faktorzertifikate haben den vermeintlichen Vorteil gegenüber den komplizierten Optionsscheinen und anderen Zertifikaten, dass sie einen festen Hebel verwenden. Ein 2fach-Faktorzertifikat auf den DAX beispielsweise bildet den deutschen Aktienindex immer mit dem Faktor 2 nach, steigt der DAX um 1%, steigt das Zertifikat um 2%, fällt der DAX um 2%, fällt das Zertifikat um 4%. Also eigentlich ein recht simples Werkzeug. Effektiv ist es jedoch nur kurzfristig, da man Trendphasen damit sehr gut handeln kann, sobald der Trend nachlässt, man jedoch auf Dauer Verluste einfährt (was hier auch gut erklärt wird). Hier auch von mir ein Beispiel diesbezüglich:

prozentberechnung

Wir kaufen ein Faktorzertifikat mit Hebel 4 auf eine Aktie. Der Aktienkurs beträgt 100 EUR, der Kurs des Zertifikats 40 EUR. Am nächsten Tag fällt der Aktienkurs um 5%, das Zertifikat daher um 20%. Am Tag 3 erholt sich der Kurs wieder um über 3% auf 98 EUR, der Kurs des Faktorzertifikats steigt von 32 auf 36,04 EUR. Am letzten Tag hat sich der Kurs der Aktie bereits wieder auf 100 EUR, also den Ausgangswert erholt, der Kurs des Faktorzertifikats steigt ebenfalls um 8,16%, jedoch beträgt der Wert des Faktorzertifikats nur mehr 38,98 EUR! Was ist passiert? Auch hier wieder eine „prozentuelle Täuschung“, sieht man sich die nackten Zahlen an, hat das Zertifikat einmal 20% verloren, dann jedoch innerhalt von 2 Tagen insgesamt 20,79% gewonnen, prozentuell steht also ein Plus auf dem Zettel, absolut hat man aber 1,02 EUR oder 2,55% vom Ausgangswert verloren! Selbst beim reinen Aktienkurs steht prozentuell ein Plus von 0,2%  am Zettel, obwohl sich der Kurs in absoluten Zahlen nicht verändert hat. Das rührt eben daher, dass 3,16% von 95 und 2,04% von 98 eben die selben 5 EUR ausmachen, die man von 100 EUR verliert (hier sind es eben minus 5%).

Also bei prozentuellen Angaben immer ein bisschen aufpassen (auch hier noch ein schöner Artikel dazu).

Was ist also die Quintessenz aus diesem Beitrag? Man sollte sich auf die „faden“ Anlagen besinnen, welche beständig und mit möglichst geringer Schwankungsbreite Erträge bringen, denn jedes Papier das mal um 50% fällt, muss erst wieder um 100% steigen, damit man wieder beim Ausgangswert ist 🙂

Was sagst du dazu? Schreib einen Kommentar!