Worauf man beim Crowdinvesting achten sollte und warum es sich auszahlt!

Hallo liebe Geldhamster-Gemeinde !

Zuerst sorry für die längere Abwesenheit aber aufgrund eines Providerwechsels und damit verbundenen Problemen war meine Seite über eine Woche überhaupt offline und zeitlich war es bei mir auch recht knapp in den letzten Tagen/Wochen. Doch heute gibt es endlich wieder einen Beitrag 🙂
Da es wie im letzten Artikel erwähnt erst kürzlich zur ersten Millionenpleite eines deutschen Startups kam, welches (unter anderem) durch Crowdinvesting der Plattform Companisto finanziert wurde, möchte ich nochmal auf die Risiken aber auch Chancen des Crowdinvestings hinweisen und das Ganze nochmal erklären, damit man auch als Laie versteht, was damit eigentlich gemeint ist und wie man davon in Zeiten der Niedrigzinsen profitieren kann.

Unter Crowdinvesting versteht man eine bei uns relativ neue Form der Unternehmensfinanzierung. Vor allem in den letzten beiden Jahren hat sich in diesem Bereich einiges getan und es sind mehrere Plattformen zur Abwicklung des Crowdfundings/Crowdinvestings entstanden. Dies ist auch der (ausnahmsweise mal) unternehmens- und investitionsfreundlichen Haltung der österreichischen Bundesregierung zu verdanken, die vor etwas mehr als einem Jahr ein eigenes Alternativfinanzierungsgesetz beschlossen hat. Dort sind bestimmte Auflagen für Unternehmen, aber auch der Schutz für die Privatanlager (zB die maximale Investition von 5.000 EUR pro Projekt, außer man kann ein gewisses Einkommen oder Vermögen nachweisen) geregelt.

Warum das Ganze eigentlich?
Dazu gibt es mehrere Antworten, zum einen gibt es für sogenannte Startups – also Jungunternehmen oft wenige Möglichkeiten, ihre Ideen oder Geschäftsmodelle zu finanzieren. Diese Gründer sind meist junge Menschen, die zwar kreative Ideen, aber oft nicht die finanziellen Mittel haben, ein Unternehmen marktreif aufzubauen. Auch bei Banken bekommen diese Leute oft keinen oder nur wenig Kredit und daher bietet sich hier die „Finanzierung von vielen“ durch die Crowd an. Im Idealfall ist es eine Win-Win-Situation, die Jungunternehmer bekommen die erforderlichen Mittel um ihre Projekte durchzuführen und die Investoren bekommen entweder einen fixen, attraktiven Zinssatz geboten (da ja auch entsprechendes „Unternehmerrisiko“ besteht) oder sind (oft zusätzlich) sogar am Unternehmenserfolg selbst beteiligt.
Zum anderen haben viele Unternehmen, neben Startups durchaus auch bereits etablierte Klein- und Mittelunternehmen, bei Investitionen heutzutage das Problem, dass die Banken immer mehr Eigenmittel verlangen (müssen), dies vor allem aufgrund der verschärften Regelungen seitens der Aufsichtsbehörden. Da Gelder von der Crowd für die Firmen aufgrund der Finanzierungsform (meist Nachrangdarlehen) auch als Eigenkapitalersatz dienen, können dadurch mehr oder größere Investitionen getätigt werden. Gerade Immobilien-Entwickler haben in letzter Zeit diese Form der Finanzierung für ihre Zwecke genutzt, da hier der Kapitalbedarf meist natürlich besonders groß ist. Um das Ganze etwas anschaulicher darzustellen bringe ich ein Beispiel:

Eine Immobilienfirma möchte ein altes Zinshaus kaufen und dieses renovieren bzw. den bisher nicht genutzten Dachboden ebenfalls zu Wohnungen ausbauen und anschließend gewinnbringend veräußern. Gleichzeitig ergibt sich für die Firma auch die Möglichkeit, ein ideales Grundstück für ein zukünftiges Bauprojekt zu erwerben. Das Zinshaus kostet 4 Mio. EUR, der Grund kostet 1 Mio. EUR. Der Cash-Bestand der Firma beträgt 800.000 EUR. Die Bank würde beide Projekte finanzieren, verlangt jedoch jeweils 20% Eigenmittel. Insgesamt benötigt die Firma also 1 Mio. EUR. Mit dem Cash der Firma würde sich jedoch nur das Zinshaus finanzieren lassen, auf den tollen Grund müsste sie vorläufig verzichten und könnte ihn erst nach der erfolgreichen Entwicklung und Vermarktung des Zinshauses kaufen. Bis dahin hat aber vermutlich schon ein Konkurrent das tolle Grundstück weggeschnappt. Man entscheidet sich also für eine Finanzierung über die Crowd um die benötigten 200.000 EUR einzusammeln und beides kaufen zu können. Für die 200.000 EUR kann man bei einer Laufzeit von 3 Jahren einen attraktiven Zinssatz von 7% pro Jahr vergeben, da die restlichen 4,2 Mio. EUR von der Bank zu einem sehr geringen Zinssatz finanziert werden. Nach Ablauf der 3-jährigen Laufzeit ist das Zinshaus mit einem schönen Gewinn bereits verkauft, man kann damit die Zinsen der Crowd-Investoren bedienen und auch das neue Bauprojekt ist bereits in Arbeit, welches wieder einen ordentlichen Gewinn bringen wird 🙂

Sehr vereinfacht dargestellt, aber so oder so ähnlich wird bei den Entwicklungen der Projektfirmen gedacht. Bei Startups ist es ganz ähnlich, auch hier werden Finanzierungen nur mit einem noch höheren Grad an Eigenkapital bzw. Eigenkapitalersatz gewährt, da hier das Risiko besonders groß ist. Im Schnitt scheitern nämlich rund 7 von 10 Jungunternehmern im Laufe der ersten 5 Jahre. Diese Quote wird (hoffentlich) durch sorgfältige Vorauswahl seitens der Crowdinvestingseiten-Betreiber minimiert, die eine oder andere Firma wird aber wohl auch hier nicht überleben wie das jüngste Beispiel von Companisto zeigt. Hier liegt übrigens derzeit die Ausfallsquote (wie ebenfalls im letzten Artikel erwähnt) bei knapp 11%. Da diese Plattform eine der ersten dieser Art war (Gründung 2012) lässt sich hier am ehesten ein Richtwert ableiten. Die Plattformen werden jedoch auch höchstes Interesse daran haben, Firmen bzw. deren Modelle vorher genau zu untersuchen, denn hohe Ausfallsraten wird sich wohl keiner wünschen, da solche Negativschlagzeilen nicht unbedingt dem Image der Plattform förderlich sind.

Meiner Meinung nach sollte man Crowdinvesting durchaus als Alternative bzw. Beimischung zu einem ausgeglichenen Portfolio oder auch als alternative Sparform in Betracht ziehen, da es Chancen bietet, der derzeit stattfindenden schleichenden Enteignung durch Niedrigzinsen und Inflation entgegenzuwirken und zumindest den Werterhalt des Vermögens zu sichern bzw. im Idealfall dieses sogar zu vermehren.

Auch hier möchte ich ein praktisches Beispiel bringen, warum sich Crowdinvesting trotz möglichen Ausfällen auszahlt:

Nehmen wir an wir haben ein Vermögen von 15.000 EUR, welches für 3-4 Jahre veranlagt werden soll. Man entscheidet sich dafür 10.000 EUR auf dem Sparbuch zu lassen und 5.000 EUR in diverse Crowdinvesting-Projekte zu stecken um zumindest für etwas Rendite zu sorgen.
Wie schon oft in meinen Beiträgen erwähnt ist es sinnvoll, sein Geld auf möglichst viele Projekte aufzuteilen um das Risiko zu streuen und nicht von 2 oder 3 Projekten abhängig zu sein, wovon dann vielleicht eines ausfällt.
Ich habe in meinem Beispiel die 5.000 EUR in 20 Projekte aufgeteilt (somit 250 EUR pro Projekt, was bei vielen Plattformen auch die Investitionsuntergrenze ist), welche eine Laufzeit zwischen 1 und 4 Jahren haben. Die Laufzeiten sind zufällig gewählt, angenommen wird ein Durchschnittszinssatz von 6,5% p.a., was durchaus realistisch ist. Was dabei rauskommt seht ihr in dieser Grafik: Crowdinvesting Beispielrechnung

Es können also 10% der Projekte und hier sogar die am höchsten Verzinsten und am längsten Laufenden ausfallen und man hat immer noch mehr als bei der besten Sparbuchanlage derzeit. Sollte noch ein Projekt ausfallen (und es sind ja nicht immer die mit der besten Verzinsung), wäre man vermutlich in etwa beim Bereich der Sparbuch-Verzinsung, da Erträge des Crowdinvesting bis zu 730 EUR (wie bei vielen Crowdinvesting-Plattformen, zB Conda erklärt) auch noch dem steuerlichen Freibetrag unterliegen. Im besten Fall und man hat sich nur Unternehmen ausgesucht, welche gar nicht ausfallen, wären es wie in der Grafik dargestellt sogar 4,5 mal so viele Erträge wie bei der klassischen Sparbuchanlage!

Es kann sich also durchaus auszahlen sich mit Crowdinvesting etwas auseinanderzusetzen, zumal es meiner Meinung nach für Viele wahrscheinlich einfacher zu verstehen ist, als die Analyse von Aktien oder Anleihen. Vor allem sind es meist auch junge österreichische oder deutsche Unternehmen, welche Arbeitsplätze schaffen und man unterstützt somit mit seiner Investition die heimische Wirtschaft!

Zum besseren Verständnis der Crowdfinanzierungsformen und deren Entstehung möchte ich auch eine Grafik zeigen, welche mir freundlicherweise von Viking Österreich zur Verfügung gestellt wurde und einen guten, knackigen Überblick über die Materie gibt:
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Zum Abschluss möchte ich noch 5 nützliche Tipps für die Auswahl der richtigen Crowdinvestments geben:

  • Investiere nur Geld, welches du notfalls auch verlieren kannst! Crowdinvesting ist und bleibt Risikokapital, auch wenn die Firmen und Projekte von den Plattformen vorselektiert werden, wird es immer gewisse Ausfälle geben. Ohne Risiko gibt’s eben auch keine Rendite – wer lieber auf Nummer sicher gehen will und anstatt ein paar eventuellen Ausfällen sein Geld lieber langfristig und schleichend am Sparbuch entwerten lässt, dem sei dies natürlich freigestellt – wer etwas mehr Rendite haben will, muss auch mit etwas Risiko leben lernen.
  • Lege einen prozentuellen Betrag deines Gesamtvermögens fest, den du in Crowdinvesting investieren möchtest! Überschreite diesen nicht (auch wenn noch so gute Angebote kommen), sondern warte, bis Projekte ablaufen und du deren Rückzahlung bzw. Ertrag erneut investieren kannst oder sich deine Vermögenssituation verbessert hat!
  • Nutze die Möglichkeit der Mindestinvestitions-Summe auf den einzelnen Plattformen! Je mehr das Risiko gestreut ist, umso besser, viele Plattformen bieten 100 oder 250 EUR als Mindestsumme, manche (zB Companisto) haben gar keine Mindestsumme. Es hat keinen Sinn, alles auf eine Karte zu setzen und dann gerade dieses Projekt ausfällt, auch wenn es noch so vielversprechend geklungen hat. Natürlich kann man, wenn einem ein Projekt besonders gut gefällt, in dieses einmal auch mehr stecken, zB 300 oder 500 EUR, jedoch sollte man sich nie zu sicher sein – auch dieses Projekt kann scheitern!
  • Achte auf Zeichen der „Sicherheit“! Wenn zum Beispiel bei einem Immobilienprojekt bereits ein Großteil der Wohnungen verkauft ist (es also bereits Vorverkaufsverträge gibt), fällt bereits das Verwertungsrisiko weg und man kann eher davon ausgehen, dass diese Investition relativ „sicher“ ist. Auch Hinweise, dass die Finanzierung eines Projekts auch ohne die Crowd gesichert ist, sind ein eher gutes Zeichen. Aber wie schon erwähnt, ein Restrisiko bleibt immer, man kann jedoch durch eine gute Vorauswahl dieses deutlich reduzieren!
  • Investiere nur in Projekte bzw. Firmen, welche du auch verstehst und von denen du persönlich überzeugt bist! Wenn ein Projekt allzu komplex ist, bzw. man an einer Geschäftsidee auch nur geringe Zweifel hat, dann Finger weg davon – es gibt fast wöchentlich neue, bessere Investmentchancen auf irgendeiner der vielen Plattformen! Wenn ein Geschäftsmodell wirklich eine Nische füllt und man selbst dieses Produkt auch eventuell kaufen würde, dann ist es für einen persönlich auch eine gute Investition! Zudem gibt es von den Startups für Investitionen in deren Kampagne oft Gutscheine oder Rabattcodes für den Onlineshop als zusätzliches Zuckerl!

Eines ist jedenfalls klar:
Die derzeitige Niedrigzins-Phase dient nur noch mehr der sozialen Ungerechtigkeit, denn die wirklich Reichen haben den Großteil ihres Geldes in Immobilien, Aktien oder anderen Formen der Unternehmensbeteiligung geparkt, verdienen dadurch schöne Dividenden (meist zumindest 3-4 % p.a.) und profitieren auch noch von Wertsteigerungen. Sie wissen, dass sie derzeit damit mehr verdienen, als sie für Kredite bei den Banken zahlen und lassen daher ihr Geld investiert und finanzieren private oder geschäftliche Investitionen daher über die derzeit günstigen Kredite. Zahlen darf diese „Zins-Zeche“ der Europäischen Zentralbank wie immer der Mittelstand indem er über das heißgeliebte Sparbuch und die tägliche Inflation (die ich in meinem nächsten Beitrag genauer erklären werde) schleichend enteignet wird. Negativzinsen trauen sich die Banken nicht einzuführen, und das ist auch gar nicht notwendig, denn solange die Inflation höher als der Zins am Sparbuch ist, wird die Kaufkraft automatisch immer weniger wert und es gibt auch keinen großen Aufschrei wie bei Negativzinsen, da man es ja auf diese Art nicht so mitbekommt, erst beim Einkaufen und Wohnen merkt man mit der Zeit, dass es mit dem Geld immer enger wird…aber dazu wie gesagt mehr im nächsten Artikel zu deiner finanziellen Bildung!

Bleib also dran am Weg zu mehr Vermögen und weniger Schulden!
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